Pearl Harbor, 7. Dezember 1941

 

 

Am Morgen des 7. Dezembers 1941, einem Sonntag, begann die Bordband des Schlachtschiffes Nevada in Pearl Harbor gerade „The Star Spangled Banner“ zu spielen, als um 7:57 h die ersten Bomben auf die im Hafen liegende amerikanische Pazifik Flotte fielen. 350 japanische Maschinen griffen in zwei Wellen die auf Oahu stationierten, völlig arglosen und unvorbereiteten Marine- und Armee-Einheiten an. Als gegen 10:00 h die zweite Welle abdrehte, waren 18 Schiffe, darunter alle acht amerikanischen Schlachtschiffe gesunken, gekentert oder schwer beschädigt. Die USS Arizona war bereits kurz nach 8:00 h nach einer gewaltigen Explosion gesunken. Über dem auf ebenem Kiel im flachen Wasser liegenden Wrack steht heute eine weiße Brücke als Memorial, in dem nicht nur den 1177 auf der Arizona gebliebenen Besatzungsmitgliedern gedacht wird, sondern insgesamt den an diesem Sonntag Morgen gefallenen 2008 Marine-Angehörigen und den 395 Soldaten und Zivilisten.

„At Dawn We Slept“ ist der bezeichnende Titel des Standardwerks des Historikers Gordon Prange über den Angriff auf die Flotte in Pearl Harbor. Mit diesem Überraschungsangriff begann der fast vier jährige erbitterte Krieg im Pazifik, der erst durch die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki beendet wurde. Wie konnte es zu diesem Angriff kommen?

Die Jahre und insbesondere die letzten Monate vor dem Dezember 1941 sind auf der einen Seite geprägt von Großmachtstreben und Selbstüberschätzung, sowie einer genialen, konsequenten Planung, deren Durchführung letztlich der wirklich große Erfolg aufgrund von Verzagtheit und Zögerlichkeit verwehrt blieb. Auf der anderen Seite standen dem Fehleinschätzungen und Ignoranz gegenüber, deren Folgen durch organisatorische Mängel und Fehlverhalten verstärkt wurden, die aber letztlich vermutlich ein wesentlich verheerenderes Ergebnis verhindert haben.

Sanktionen und Fehleinschätzungen

Japan fühlte sich durch den von Theodore Roosevelt vermittelten Friedensvertrag von 1905 mit Russland aufgrund der Rückgabe der Mandschurei in gewisser Weise um die Früchte seines Sieges betrogen. Auch das Flottenabkommen von 1922, in dem die USA, UK und Japan sich auf maximale Größen der jeweiligen Flotten geeinigt hatten, wurde in Japan vielfach als Demütigung empfunden, da Japan im Verhältnis 6:10 nicht die gleiche Flottengröße zu gebilligt wurde wie den beiden westlichen Nationen. Darüber empfanden die Japaner ihre Abhängigkeit von Rohstoff-Importen als Schwäche.

Nachdem Japan 1931/32 die Mandschurei erobert hatte, um sich dortige Rohstoffvorkommen zu sichern, verkündete der damalige amerikanische Außenminister Stimson die nach ihm benannte Doktrin, nach der die USA keine Eroberungen beziehungsweise Besitznahmen durch Kriege anerkennen würden. Diese Doktrin empfanden die Japaner als unehrlich, hatten doch die USA die Herrschaft über die Philippinen durch den gewonnenen Krieg gegen Spanien erlangt. Mit Druck und Sanktionen versuchten die USA die Japaner zur Freigabe der Mandschurei zu veranlassen. Dieser Druck wurde verstärkt, nachdem Japan im 2. chinesisch-japanischen Krieg Teile von China besetzt hatte. Japan hing weiterhin ganz wesentlich unter anderem von Öl-Importen aus den USA ab. Während die eine Seite glaubte, die andere durch höheren Druck, das heißt immer strengeren Sanktionen in die Knie zwingen zu können, plante die andere Seite weitere Eroberungen in Südost-Asien, um sich diesem Druck zu entziehen. Dass Japan nicht bereit war, sich dem Druck von Sanktionen zu beugen, wurde deutlich, als japanische Truppen am 23. September 1940 in Malaysia, Kambodscha, Vietnam und Indonesien einmarschierten. Damit hatte sich Japan weitere Rohstoff-Quellen gesichert.

Erschwert wurde das Verhältnis zwischen den USA und Japan dadurch, dass beide Seiten ein jeweils äußerst negatives Bild der anderen Seite hatten. So hielten – gemäß amerikanischer Autoren – die Mehrzahl der Amerikaner die Japaner für langsame Denker, irrational, schlicht und technisch inkompetent. Selbst nach dem Angriff war die Meinung weit verbreitet, die Japaner wären dazu nicht fähig gewesen und die japanischen Flugzeuge seien von deutschen Piloten geflogen worden. Das Bild der Amerikaner in Japan wiederum war stark geprägt durch amerikanische Filme. So glaubten die Japaner offenbar, sehr viele Amerikaner seien Gangster, Gauner und Prostituierte. Und da die Amerikaner nur am Profit interessiert seien, würden sie einen längeren Krieg ablehnen, da er zu unprofitabel sei, so jedenfalls die verbreitete Meinung, auch vieler führenden japanischen Politiker und Militärs – mit Ausnahme der Marine und insbesondere Admiral Yamamotos (siehe unten).

Für den amerikanischen Präsidenten Roosevelt hatte der Krieg gegen Nazi-Deutschland oberste Priorität. So versuchte Roosevelt die Spannungen mit Japan durch eine persönliche Botschaft an den japanischen Kaiser zu entspannen. Die japanische Regierung verzögerte aber die Übergabe an den Kaiser um mehrere Tage und die japanische Übersetzung war wesentlich weniger versöhnlich als von Roosevelt beabsichtigt. Der Präsident nahm es hin, dass sein Außenminister Hull die von Roosevelt gewollte leichte Verschärfung der Sanktionen in eine deutliche ummünzte. Diese Verschärfung wurde in Tokio als Zeichen dafür verstanden, dass die Amerikaner nicht bereit wären, fair mit den Japanern zu verhandeln. In der Folge trat der Ministerpräsident zurück, der den Krieg hatte bis dahin verhindern wollen. Sein Nachfolger war bereit, auch einen Krieg mit den USA in Kauf zu nehmen.

Erschwert wurden die diplomatischen Verhandlungen zusätzlich dadurch, dass Außenminister Hull, ein Hardliner, ausgerechnet dem japanischen Botschafter Nomura nicht traute, den Tokio nach Washington entsandt hatte. Botschafter Nomura hoffte, den Frieden zu erhalten, und wurde letztlich von seiner eigenen Regierung hintergangen. Schließlich glaubte Minister Hull auch nicht, dass die Japaner einen Krieg gegen die USA wagen würden.

Generell hat die Washingtoner Administration die Japaner im Vorfeld des Angriffs völlig unter-, die eigenen, insbesondere die militärischen Fähigkeiten aber überschätzt. Der amerikanische Botschafter in Tokio Grew aber hatte tiefe Einblicke in die japanische Gesellschaft und das Denken der politischen Elite gewinnen können. Seine zutreffenden Analysen und Warnungen wurden von der Administration in Washington aber fast völlig ignoriert. So auch die Nachricht, mit der Grew Washington Anfang 1941 darüber informierte, dass der peruanische Botschafter aus zuverlässiger japanischer Quelle erfahren hatte, dass die Japaner einen großangelegten Überraschungsangriff auf Pearl Harbor planen würden.

Anmerkung: die Vorgeschichte des Angriffs auf Pearl Harbor zeigt, welch stumpfes Schwert Sanktionen sind, aber auch was für ein gefährliches, wenn der von den Sanktionen betroffenen Seite keine Möglichkeit gegeben wird, die Situation unter Gesichtswahrung zu entschärfen.

Mastermind: Admiral Isokuru Yamamoto

Der Oberkommandierende der japanischen Flotte, Admiral Isokuru Yamamoto, war seit seiner Zeit als Marine-Attaché an der japanischen Botschaft in Washington Bewunderer der USA und davon überzeugt, dass Japan die USA in einem länger dauernden Krieg nicht würde besiegen können. Zu groß seien die Ressourcen der USA. Generell war Yamamoto gegen eine Ausweitung des bis dato nur gegen China geführten Krieges. Zudem war er bekannt als Freund der USA und Kritiker Nazi-Deutschlands. Um den Admiral vor Attentaten der Kriegstreiber besser schützen zu können, beförderte ihn der Marine Minister 1939 zum Commander-in-Chief der japanischen Flotte, dessen Hauptquartier auf seinem Flagschiff war.

Neben seinem Wissen um die Stärke der USA wurde Yamamotos Skepsis wohl auch davon geprägt, dass er zunächst auch mit der britischen Flotte in einem Pazifik-Krieg hatte rechnen müssen. Am 5. August 1940 aber stellte das britische Kriegskabinett fest, dass das Vereinigte Königreich im Falle eines Angriffs der Japaner auf Hong Kong, Singapur oder Malaysia keine Flotteneinheiten in den Pazifik würde entsenden können. Dadurch würde die Home Fleet zu sehr geschwächt. Dieser Beschluss wurde dem Commander-in-Chief in Singapur per Handelsschiff gesandt. Diese Schiff wurde am 11. November vom deutschen Hilfskreuzer Atlantis unter Kapitän Rogge aufgebracht. Der Beschluss fiel Rogge in die Hände, der sofort seine Bedeutung erkannte. Umgehend brachte Rogge die Papiere nach Tokio, wo sie im Dezember 1940 den Japanern übergeben wurden. Jetzt wusste Yamamoto, dass er gegebenenfalls nur gegen die amerikanische Pazifik Flotte würde kämpfen müssen.

Erst im April 1940 hatte Roosevelt die Pazifik Flotte von San Diego nach Pearl Harbor verlegen lassen. Aufgrund der geringen Wassertiefe galten die Schiffe dort als vor Torpedos sicher. Am 11. November 1940 aber griffen britische Torpedo-Flugzeuge vom Träger Illustrious aus die italienische Flotte im Hafen von Tarent an. Trotz des flachen Wassers konnten dank speziell dafür entwickelter Torpedos drei Schlachtschiffe versenkt werden.

Von diesen Ereignissen inspiriert sah der leidenschaftliche Pokerspieler Yamamoto in dem Überraschungsangriff auf die Flotte in Pearl Harbor seine Chance, die einzige Chance. Durch diesen Überraschungsschlag glaubte der Admiral den von der japanischen Regierung gewünschten Krieg mit den USA wenigstens für eine gewisse Zeit offen halten zu können. Zitat: „Ich kann versprechen, ihnen (den Amerikanern) ein, vielleicht anderthalb Jahre die Hölle heiß zu machen, aber was danach kommt, weiß ich nicht.“

Yamamoto und sein Team bereiteten den Angriff unter strikter Geheimhaltung perfekt vor. Die benötigten Torpedos wurden entwickelt und erprobt. Die Piloten in zahllosen Trainingsflügen geschult und letztlich die Fahrt nach Hawaii minutiös geplant. Da bis die Strategie der japanischen Marine bis zu Yamamotos Plan immer von einer Entscheidungsschlacht in japanischen Gewässern – ähnlich der Vernichtung der russischen Flotte 1904 vor Tsushima – ausgegangen war, hatten nur die modernsten Schiffe der japanischen Flotte genügend Öl für längere Fahrten an Bord. Das heißt die Task Force, die am 26. November auslief, musste täglich bei schwerer See im Nord-Pazifik bunkern. Zu dem galt es bei absoluter Funkstille zusammen zu bleiben.

All das gelang perfekt. Am Morgen des 7. Dezembers hatte die Task Force die geplante Position etwa 220 Meilen nördlich Oahus erreicht, die Träger drehten um 5:50 Uhr in den Wind und innerhalb von 15 Minuten war die erste Welle mit 185 Flugzeugen in der Luft und formierte sich zum Angriff auf Pearl Harbor.

Organisationsversagen

Haben die Amerikaner gewusst, dass Pearl Harbor angegriffen würde? Nein, aber sie hatten viele Informationen, die darauf hinwiesen. Nur wurden sie nicht zur Kenntnis genommen!

1925 veröffentlichte der angesehene Marine-Korrespondent des Daily Telegraph sein Buch „The Great Pacific War“. In ihm beschreibt Bywater, dass die Japaner den Krieg mit einem Überraschungsangriff auf die US-Flotte in Pearl Harbor beginnen würden. Als die Buch erschien, war Yamamoto Marine-Attaché in Washington. Es erscheint aus heutiger Sicht als sehr unwahrscheinlich, dass er dieses Buch nicht gelesen habe.

Unter dem Eindruck des erfolgreichen Angriffs auf die italienische Flotte inTaranto beauftragte Marine-Minister Stark Rear Admiral Ansel, sich mit den Implikationen insbesondere im Hinblick auf Hawaii zu befassen. Am 24. Januar 41 sandte Stark das Ergebnis unter anderen an Kriegsminister Stimson und Admiral Kimmel in Pearl Harbor. Admiral Ansel war in seiner Studie zu dem Schluss gekommen, dass „im Falle eines Krieges mit Japan es für sehr leicht möglich gehalten wird, dass die Feindseligkeiten durch einen Überraschungsangriff auf die Flotte oder die Marine Basis in Pearl Harbor begonnen werden.“ Dieser Angriff würde wahrscheinlich mit Bombern und/oder Torpedo-Flugzeugen erfolgen.

Naval Base Defense Air Force Commander Admiral Bellinger und Air Force Commander General Martin – beide auf Hawaii – warnten am 31.März 1941 Marineminister Stark und Admiral Kimmel, dass die Japaner bereits vor einer Kriegserklärung Pearl Harbor überraschend angreifen könnten, insbesondere mit von Flugzeugträgern gestarteten Bombern.

Beide Studien blieben offenbar unbeachtet. Einer der Gründe mag gewesen sein, dass man den Japanern die Fähigkeiten für so einen Angriff nicht zutraute…

Seit dem 25. September 1940 lasen die Nachrichtendienste in Washington den Funkverkehr zwischen Tokio und der Botschaft in Washington mit. Machtkämpfe zwischen den sich in der Verantwortung für die Aufklärung abwechselnden Diensten der Armee und der Navy führten zu Reibungsverlusten und Versäumnissen. Bei der Navy war Rear Admiral Turner, „Terrible Turner“, Kommandeur der War Plans Division verantwortlich. Turner gilt als eine Schlüsselfigur für die Fehler in Washington im Vorfeld des 7. Dezembers. Machtorientiert, egoman und rücksichtslos unterwarf er sich ohne jede Erfahrung in diesem Bereich die Aufklärungsabteilung der Navy. Nur er selber durfte die decodierten Nachrichten interpretieren. Und Turner bestimmte, was Hawaii erfuhr beziehungsweise eben nicht erfuhr. So erfuhr Kimmel nichts davon, dass Washington den Funkverkehr zwischen Tokio und seiner Botschaft mitlas. Kimmel erfuhr nicht, dass die Japaner den 25. November als letzt möglichen Termin für eine Einigung festgelegt hatten. Der Commander-in-Chief erfuhr nicht, dass die japanische Marine am 2. Dezember den Befehl erhalten hatte „Besteige den Berg Niikata am 8. Dezember“. Niikata ist der höchste Berg Japans. Der 8. Dezember in Japan ist der 7. auf Hawaii. Umstritten ist, ob die Amerikaner am 4. Dezember tatsächlich die sogenannte „winds execute“ Nachricht auffingen. „East wind rain“ bedeutete Krieg mit den USA, wie die Amerikaner zuvor entschlüsselt hatten.

Der vielleicht gravierendste organisatorische wie menschliche Fehler aber war, dass die Verantwortlichen in Hawaii die Inhalte der Funksprüche der japanischen Marine und des Konsulats in Honolulu nicht erfuhren, die die eigene Abhörstation Hypo auf Oahu aufgefangen hatte. Das vermutlich schwer wiegendste Versäumnis war, dass Tuner Kimmel die sogenannte „Bomb Plot Message“ vorenthalten hat. Mit ihr wurde das Generalkonsulat auf Oahu aufgefordert, Tokio zweimal wöchentlich mitzuteilen, welche Schiffe in welchen Bereichen des in Planquadrate aufgeteilten Hafens liegen würden. Die Mitarbeiter der Aufklärungsabteilung der Navy erkannten die Bedeutung dieser Nachricht im Hinblick auf eine mögliche Bombardierung. Turner aber gab sie nicht weiter. Letztlich erfuhr Kimmel auch nichts davon, dass das Konsulat in Honolulu wie die Botschaft in Washington am Tag vor dem Angriff aufgefordert wurden, die Codes und geheimen Papier zu verbrennen.

In Kenntnis des diplomatischen Funkverkehrs der Japaner musste Washington davon ausgehen, dass der Kriegsausbruch unmittelbar bevor stand. Aber vor dem Hintergrund der Ende 41 immer noch sehr starken pazifistischen, isolationistischen Bewegung in den USA wollten Roosevelt und seine Regierung alles vermeiden, was als erste Schritt der USA verstanden werden konnte. So wurden von Stimson und Stark am 25 November an alle Kommandeure im Pazifik eine sorgfältig abgestimmte Warnung versandt, die vor einem Kriegsausbruch im Westpazifik in den nächsten Tagen warnte und vor einem möglichen Angriff auf die Philippinen. Von einem möglichen Angriff auf Pearl Harbor enthielten die Warnungen kein Wort. Ausdrücklich aber wurde daraufhin gewiesen, dass eine Beunruhigung der Bevölkerung zu vermeiden sei.

Während Stimson, Stark und Marshall glaubten, alle pazifischen Einheit in kriegsmäßige Alarmbereitschaft versetzt zu haben, lasen die vom Ernst der Lage überraschten Kimmel und Short auf Hawaii abgeschwächte Formulierungen und die dringende Warnung, keine aggressiven Handlungen vorzunehmen. Die Verantwortlichen in Washington hatten übersehen, dass sie ihre Kommandeure auf Hawaii bewusst unwissend gehalten hatten. Folglich interpretierten die Empfänger die Formulierungen anders als sie gemeint waren.

Die letzte große Chance, Hawaii rechtzeitig zu warnen, wurde in Washington am Morgen des 7. Dezembers vergeben. Am Morgen war die 14te und letzte Seite einer Note entschlüsselt worden, die der japanische Botschafter um Punkt 13:00 Uhr Ortszeit, 7:30 h auf Hawaii (!), dem US-Außenminister übergeben sollte. Der Inhalt war die japanische Kriegserklärung. Alle Nachrichtenoffizier schlossen aus der präzisen Zeitvorgabe, dass unmittelbar danach ein Angriff seitens der Japaner erfolgen würde. Am 7. Dezember war die Armee für den Nachrichtendienst verantwortlich. Ohne Einwilligung des Chief-of-Staff der Armee, General Marshall, durfte keine Warnung herausgegeben werden. Marshall war aber trotz des drohenden Kriegsausbruchs zuhause nicht zu erreichen, da er auf seinem morgendlichen Ausritt war. Zurückgekommen fuhr er zunächst ins Büro und las alle 14 Seiten, obwohl ihn sein Nachrichten Offizier auf die Brisanz der letzten Seite hingewiesen hatte. Erst danach wurde eine Warnung auch an Hawaii formuliert und nach Abstimmung mit Stark auch an die Navy geschickt. Da aber schlechtes Wetter herrschte und der Sender der Navy zu schwach war, wurde die Nachricht über den kommerziellen RCA-Sender nach Oahu gesendet. Da versäumt worden war, der Nachricht hohe Priorität zu geben, wurde sie auf Oahu ganz normal verteilt – und erreichte Admiral Kimmel etwa eine Stunde nach Beginn des Angriffs.

Aufgrund von Problemen in der Botschaft mit dem Dechiffrieren und der Übersetzung der 14-seitigen Erklärung konnte der ahnungslose Botschafter Nomura sie erst etwa eineinhalb Stunden nach dem zwischenzeitlich erfolgten Angriff übergeben. Insofern erfolgte der Angriff ohne vorherige Kriegserklärung. Auch deshalb sprach Präsident Roosevelt am 8. Dezember in seiner Rede vor beiden Häusern im Capitol vom Vortag als „a date which will live in infamy..“.

Auf Hawaii hatte Admiral Kimmel offenbar die noch nicht einmal neun Monate alte Warnung von Bellinger und Martin vergessen und zog die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs nicht in sein Kalkül. Zwar beobachtete das FBI den japanischen Spion Takeo Yoshikawa, einen Mitarbeiter aus dem Konsulat. Da Washington die Verantwortlichen auf Hawaii aber über die verräterischen Informationen, die Yoshikawa vom Konsulat nach Tokio sandte, nicht informierte, konnte der Spion ungestört seine Aufträge wie die „Bomb Plot Message“ ausführen. Das Teehaus, aus dem heraus Yoshikawa die Flotte im Hafen beobachtete, existiert auch heute noch.

Auch als Kimmels Nachrichtenoffizier, der spätere Admiral Layton, ihm am 2. Dezember bestätigten musste, dass er nicht wisse, wo die japanischen Flugzeugträger seien, war der CinCPac Kimmel nicht sonderlich beunruhigt. Laut Layton, fragte der Admiral ihn: „Nach dem, was Sie wissen, könnten sie (die Träger) um Diamond Head (auf Oahu) herumkommen, ohne dass Sie es (vorher) wüssten?“ Layton: “Yes, Sir!“ Konsequenzen wurden aus dieser Erkenntnis nicht gezogen.

Vielmehr waren General Short und Admiral Kimmel der Überzeugung, sie müssten ihre Einheiten im Falle des Kriegsausbruchs vor Sabotage schützen, obwohl es zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Hinweise auf subversive Aktivitäten seitens der Japaner auf Hawaii gegeben hatte. So befahl General Short, die Flugzeuge, die die Flotte schützen sollten, am Wochenende besonders eng zusammen zu stellen, da sie so besser zu schützen seien. So wohl an Land wie auf den Schiffen wurden die Munitions-Magazine und Kisten verschlossen, ohne dass allgemein bekannt war, wer wo über die Schlüssel verfügte. Als Folge saßen die Matrosen am 7. Dezember in ihren Ausgehuniformen an den Flags und, wie die Soldaten an Land, vor verschlossenen Munitionskisten. Aus dieser verzweifelten Lage stammt der legendäre Ausruf des Kaplans der New Orleans: „Praise the Lord and pass the amunition!“.

Kimmel etablierte keine Kommunikationswege für den Ernstfall. So erfuhr er nicht rechtzeitig, dass ein Zerstörer in den Morgenstunden des 7. Dezembers ein Kleinst-U-Boot der Japaner vor der Hafeneinfahrt von Pearl Harbor entdeckt und versenkt hatte. Auch erfuhren die Verantwortlichen der Army und der Navy nicht, dass ein junger Soldat an einem neu installierten Radargrät die anfliegenden japanischen Flugzeuge entdeckt hatte. Aber anstatt die mehr als 50 Flugzeuge zu melden, meldete er nur eine große Zahl. Der Offizier der Armee, der diese Meldung erhielt, ahnte nichts von einem bevorstehenden Kriegsausbruch. Er wusste nur, dass eine Gruppe von neuen B 17 Bombern im Anflug auf Hawaii waren. Um diese würde es sich wohl handeln. Die allerletzte Chance für eine Alarmierung der „Schlafenden“ war vertan.

Glück dank Versagen?

Vorrangiges Ziel der Japaner waren die amerikanischen Flugzeugträger. Beide Träger der Pazifik Flotte waren am Morgen des 7. Dezembers auf See. Die Enterprise stand allerdings nur wenige Meilen vor Oahu. Die modernen Träger und die sie begleitenden Kreuzer entgingen folglich dem Angriff. Fast unbeschädigt blieben die Hafenanlagen. Der Kommandant der japanischen Task-Force, Admiral Nagumo, widersetzte sich allen Aufforderungen seiner Offizier, noch einen dritten Angriff auf die Hafenanlagen fliegen zu lassen. Hätten die Japaner auch noch die Hafenanlagen und die Werften zerstört, wäre das Bergen und Reparieren der Schiffe wohl kaum oder nur sehr viel später möglich gewesen. Und die amerikanische Marine hätte ihre operationelle Basis wieder an die Westküste verlegen müssen. Ein junger Offizier der japanischen Marine analysierte nach dem Krieg, dass die japanische Marine mit der Philosophie der Sumo-Ringer in den Krieg gezogen sei. Man habe dem Gegner in Pearl Harbor und in anderen Gefechten Niederlagen bereiten wollen, ihn aber nicht vernichtend schlagen. Nur anders als die Sumo-Ringer haben die US nach der Niederlage in Pearl Harbor nicht als Verlierer die Matte verlassen, sondern haben alle Kräfte mobilisiert und schon am 4. Mai 42 im Seegefecht in der Coral Sea die Japaner gestellt. Und mit dem Versenken von vier japanischen Trägern in der Schlacht bei Midway am 4. Juni 42 haben die Amerikaner die Vorherrschaft der japanischen Marine im Pazifik gebrochen.

Wären Marine und Armee kurz vor dem Angriff gewarnt worden, wären die Verluste sicherlich wesentlich geringer gewesen. Die Mannschaften wären auf Gefechtsstation und die Schotten in den Schiffen geschlossen gewesen. Niemand hätte mehr „geschlafen“.

Hätte Admiral Kimmel aber alle Informationen, die in Washington vorlagen, gehabt wie zum Beispiel die „Bomb Plot Message“, wären er vermutlich mit der Flotte ausgelaufen, um die Japaner in einer Seeschlacht zu stellen. Gemäß seinem Nachfolger als CinCPac, Admiral Chester Nimitz, wäre diese Schlacht für die US Navy aufgrund der japanischen Überlegenheit vermutlich wesentlich verlustreicher geworden.

Churchill

Mit einiger Berechtigung kann man wohl davon ausgehen, dass der britische Geheimdienst die selben Funksprüche aufgefangen hat wie die Amerikaner. Nur haben die Briten vermutlich präzisere Schlüsse daraus gezogen – und sich nicht vorstellen können, welche Fehler in Washington gemacht wurden. Churchill jedenfalls war nicht sonderlich überrascht, als er von dem Angriff auf Pearl Harbor erfuhr. Und er wusste, dass dies den Eintritt der USA in den Krieg gegen Nazi-Deutschland bedeuten würde. Damit hatte Hitler keine Chance mehr. Churchill legte sich an diesem Abend, wie er sagte, schlafen, um den Schlaf der Geretteten und Dankbaren zu schlafen.

… dann kommt der Krieg zu Dir

Noch am 6. Dezember 1941 glaubten 48% der Amerikaner nicht daran, dass die USA in den in Europa und Asien tobenden Krieg hineinziehen lassen sollten. Aber getreu dem Wort Bertold Brechts „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin – dann kommt der Krieg zu Dir“ kam der Krieg einen Tag später, am 7. Dezember 1941 um 7:57 h Ortszeit zu den Amerikanern auf Hawaii.

USS Arizona

Wie auf jedem anderen Schiff der US Navy wird auch heute noch auf der Arizona um 8:00 Uhr jeden Morgen die amerikanische Flagge gehisst. Die Arizona ist noch in Dienst. Ein großer Teil ihrer Besatzung ist noch an Bord. Auf ebenem Kiel liegt das Schiff knapp unter der Wasseroberfläche Pearl Harbors. Reste des dritten Geschützturms ragen aus dem Wasser. In kleinen Tropfen dringt Öl an die Oberfläche. Ehemalige Besatzungsmitglieder, die den Angriff am 7. Dezember überlebten, lassen sich auf dem Schiff bestatten, um bei ihren Kameraden die letzte Ruhe zu finden. – Eine weiße, leicht geschwungene Brücke steht im blauen, klaren Wasser über dem Rumpf. Ihre Silhouette hebt sich ab gegen die Palmen auf Ford Island. Der Eindringlichkeit dieses Ortes kann sich wohl kaum ein Besucher entziehen. Und angesichts der schlichten Schönheit des Memorials und seiner Umgebung muss jeder Versuch scheitern, sich das Inferno auszumalen, das an dieser Stelle vor 75 Jahren ausgebrochen ist.

Literatur:

Gordon W. Prange with Donald M. Goldstein and Katherine V. Dillon: ,,At Dawn We Slept, Tue Untold Story of Pearl Harbor“, Penguin Books 1982

Gordon W. Prange with Donald M._Goldstein and Katherine V. Dillon: „Dec. 7 1941 Tue Day the Japanese Attacked Pearl Harbor“, Warner Books Edition 1989

Gordon W. Prange with Donald M. Goldstein and Katherine V. Dillon: „Pearl Harbor Tue Verdict of History“, Penguin Books 1991

Gordon W. Prange with Donald M. Goldstein and Katherine V. Dillon: „God’s Samurai Lead Pilot at Pearl Harbor“, Brassey’s (US), 1990

Rear Admiral Edwin T. Layton with Captain Roger Pineau and John Costello: „And I was there“, Quill William Morrow, 1985

Henry C. Clausen and Bruce Lee: „Pearl Harbor Tue Final Judgement“, Crown Publishers, 1992

Michael Gannon: „Pearl Harbor Betrayed“, Henry Holt and Co., 2001

Robert B. Stinnett: „Day of Deceit The Truth about FDR and Pearl Harbor“, The Free Press, 2000

William H. Honan: Visions of lnfamy“, St.Martin’s Press, 1991 John Costello: „Days of lnfamy“, Pocket Books, 1994

John Toland: „Infamy Pearl Harbor and its Aftermath“, Berkley Books, 1983

Thurston Clarke:“ Pearl Harbor Ghosts The Legacy of December 7, 1941″ , Ballatine Books, 2001

Donald M. Goldstein and Katherine V. Dillon: „Tue Pearl Harbor Papers Inside the Japanes Plans“, Brassey’s, 2000

James Rusbridger & Eric Nave:“Betrayal at Pearl Harbor“, Summit Books, 1991

Louis C. Kilzer: „Churchill’s Deceiption The Dark Secret that Destroyed Nazi Germany“, Simon & Schuster, 1994

William J. Ruhe: „Slow Dance to Pearl Harbor A Tin Can Ensign in Prewar America“, Brassey’s ,1995

Edwin P: Hoyt: „Yamamoto“, Warner Books, 1990

Ronald H. Spector: „Eagle Against the Sun“, Vintage Books, 1985 Dan van der Vat: „The Pacific Campaign“, Touchstone, 1991

John Costello: „The Pacific War 1941 -1945“, Quill 1982

Richard J. Aldrich: „Intellingence and the War Against Japan“, Cambridge University Press 2000

John Prados: „Combined Fleet Decoded“, Random House, 1995

Jürgen Rohwer und Eberhard Jäckel (Herausgeber): „Kriegswende Dezember 1941”,

Bernhard & Graefe Verlag 1984

Donald M. Goldstein, Katherine V. Dillon and J. Michael Wenger: ,,The Way lt Was Pearl Harbor the Original Photographs“, Brassey’s, 1995

Collector’s Edition LIFE: „Pearl Harbor December 7, 1941 -December 7, 1991“, Fall 1991

Collector’s Edition LIFE:“Pearl Harbor America·s Call to Arms“, 2001

P. Willmot: „Pearl Harbor“, Cassell & Co, 2001

Craig Nelson: “Pearl Harbor: From Infamy to Greatness”, Scribner, 2016

Hector C Bywater: “The Great Pacific War – A Historic Prophecy Now Fullfilled”, first published 1925 by Constable & Co. this edition 2016 by Endeavour Press Ltd.

Steven M. Gillon: “Pearl Harbor – FDR Leads The Nation Into War”, Basic Books, 2016

 

Thesen zum Standortmarketing

It´s a people´s business!

Erfolgreiches Standortmarketing beginnt zuhause!

Ergebnisoffen ist zu analysieren, was die aktuellen Stärken des Standorts sind und welche positiven Entwicklungen sich abzeichnen.

Diese aktuelle Realität ist mit dem gegebenenfalls tradierten Image abzugleichen.

Durch kommunikative Maßnahmen und zum Beispiel Veranstaltungen ist die Realität im Bewusstsein der Bürger zu verankern, um ein korrigiertes Image im Inneren zu etablieren. Dies kann kurz- und mittelfristig nur erfolgreich sein, wenn das angestrebte neue Image als Fortentwicklung des tradierten empfunden beziehungsweise erkannt wird.

Idealtypischer Weise sollten die obersten Vertreter eines Standorts dessen Stärken repräsentieren.

Das Image einer Stadt als lebendig, innovativ und dynamisch wird von einem vitalen, lebensbejahenden und humorigen Repräsentanten sicherlich glaubhafter „rübergebracht“ als von einem graumäusigen und humorlosen Bürokraten. Was zeigt:

Der Angler muss dem Fisch schmecken!

Ziel internationalen Standortmarketings ist es:

Unternehmen für die Ansiedlung am jeweiligen Standort zu gewinnen.

Voraussetzungen für erfolgreiches Werben um ausländische Unternehmen sind:

Demut! Die Gesprächspartner/die Zielgruppen sind unternehmerisch erfolgreich und kommen ausGesellschaften mit wesentlich älteren Kulturen – Ausnahme: Nordamerika – als wir Mittel- und Nordeuropäer.

Die kompromisslose Bereitschaft, sich auf die Interessen der Ansprechpartner einzustellen und sich zu fragen, was sie erfahren möchten.

Die Fähigkeit, im Kontext der Interessen der Ansprechpartner die wichtigen und im Sinne der Gesprächspartner attraktiven Aspekte des Standorts überzeugend darzustellen. Dabei gilt:              

der Angler muss dem Fisch schmecken

     

(gemäß einer amerikanischen Studie kommt es bei einem Vortrag zu 56% auf die Körpersprache, zu 37 % auf die Sprache und zu 7% auf den Inhalt an)

Das Bewusstsein, dass der eigene Standort im Ausland (vermutlich) unbekannt ist. Das gilt insbesondere für Bundesländer und Regionen (Ausnahmen die Stadtstaaten Berlin und Hamburg, eventuell Bayern, sowie das „Ruhr Valley“). Meine Klassiker: aus den USA: „Where are you from?“ „The Netherlands!“ „Ah…..is that somewhere near Amsterdam?“ Aus Bejing: „Will you give a presentation for Frankfurt again this time?“ „I just did it at the Hessen event!“ „Oh, if I had known that that has to do with Frankfurt too I would have come.“

Aufgaben:

Vertrauen in die eigenen Repräsentanten und die Politiker/Verwaltung des Standorts schaffen – auch deshalb: der Angler muss dem Fisch schmecken!

Ein Image des Standorts kommunizieren, das die positive Standortentscheidung dauerhaft als richtig bestätigt.

Zuhause nach Innen darauf einzuwirken, dass die internationalen Unternehmen und Manager die für sie günstige Standortbedingungen tatsächlich auch vorfinden.

Methoden des Standortmarketings:

Sachliche, aber ansprechend aufbereitete Darstellung der harten und weichen Standortfaktoren in den elektronischen Medien und bei Präsentationen, dort gegebenenfalls auch heute noch mit Flyern und Broschüren – hier gilt: der Köder muss dem Fisch schmecken!

Persönliche Ansprache und Präsentation – der Angler muss dem Fisch schmecken!

Probleme des Standortmarketings:

Nur einige wenige Städte sind im Ausland generell bekannt (siehe oben).

Bundesländer und Regionen sind unbekannt – Ausnahmen sind die Stadtstaaten Berlin und Hamburg, eventuell Bayern und das Ruhrgebiet (siehe oben).

Wettbewerb: deutsche und andere europäische Standorte buhlen international um die selben Firmen oder Branchen.

Das Superlativ-Syndrom: jeder Standort präsentiert sich als der beste und der feinste, zentral, international, Service orientiert, mit großartiger Infrastruktur etc.

Alle erzählen das Gleiche: zu oft ähneln sich die Standortpräsentationen zumindest vergleichbarer Städte oder sind sogar austauschbar. Ein etwa 6 Jahre zurückliegendes Beispiel: um die damalige Präsentation der Region Toronto  für die Region FrankfurtRheinMain nutzen zu können, hätten darin die Zahlen und Namen geändert werden müssen, aber nicht einmal alle Photos. Der Text hätte in großen Teilen unverändert bleiben können.

Es werden zu viele, aus der Innensicht vermeintlich interessante Informationen kommuniziert. Oft unter öffentlichem/politischem Druck werden zum Beispiel historische Sachverhalte herausgestellt, die für die internationalen Adressaten der Marketing-Maßnahmen unwichtig oder vielfach auch unverständlich sind. Die konkreten Interessen sowie der kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Hintergrund der Adressaten bleibt dabei unberücksichtigt – missachtet wird: der Köder muss dem Fisch schmecken!

Bei persönlichen Präsentationen wird zu wenig nach der Qualifikation des Präsentierenden gefragt. Zum Beispiel bleibt unberücksichtigt, ob der Präsentierende „über die Rampe kommt“, ob seine Englischkenntnisse ausreichen, ob er Inhalte vermittelt oder Folien abliest. Bei internationalen Auftritten wird viel zu selten gefragt, welchem Dress Code im Zielland gefolgt wird.

Aber: der Angler muss dem Fisch schmecken!

Konsekutiv Übersetzungen: der Auftritt des Präsentierenden wird immer wieder gestört, seine Wirkung erheblich beeinträchtigt. Gefahr: der Angler schmeckt nicht mehr!

Achtung: die deutsche Neigung, uns selbst zu kritisieren, stößt im Ausland auf völliges Unverständnis und wirkt sehr negativ. Keiner unserer Wettbewerber käme auf die Idee, sein Land, seine Landsleute oder Firmen im Ausland zu kritisieren.

Kriterien für erfolgreiches Standortmarketing:

für den Köder:

auf die Zielgruppe abgestimmte sachliche Information; Superlative nur dort, wo sie wirklich berechtigt sind.

Alleinstellungsmerkmale herausstellen, wenn vorhanden.

auf zum Standort passende Branchen beschränken.

zukunftsorientiert: so ist die Verfügbarkeit von Arbeitskräften wesentlich wichtiger als zum Beispiel die Bedeutung des jeweiligen Standorts im Mittelalter…

für Präsentationen gilt: weniger ist mehr.

für den Angler:

Ehrlich und glaubhaft.

Extrovert, überzeugend, gewinnend.

Vertrauen erweckend

Freisprechend den Zuhörern zu gewandt.

Offen, die Mentalität der Gesprächspartner berücksichtigend: in Indien sollte man zum Beispiel anders auftreten als in Japan, in China andres als in den USA.

Auch zuhause am Standort selbst ansprechbar.

Behauptungen:

Bestandspflege ist wichtiger und effizienter als Akquisition

Wenn große, international tätige Unternehmen noch nicht in Deutschland sind, gibt es dafür einen Grund, das heißt, um sie zu werben, ist weder effizient noch effektiv (Ausnahmen sind gegebenenfalls sehr schnell gewachsene junge IT-Firmen).

Nüchterne, realistische Darstellung des wirtschaftlichen wie rechtlichen Umfelds, auf das sich ansiedlungswillige Firmen einzustellen haben, trägt zur Vertrauensbildung bei.

Das Angebot an (Hoch-)Kultur am jeweiligen Standort spielt in konkreten Ansiedlungsgesprächen keine Rolle.

Die Ehefrauen der Manager sind bei Standortfragen wichtige Mit-Entscheider.

internationale Schulangebote sind ein wichtiges Standortmerkmal.

Lebensqualität gewinnt vor dem Hintergrund des „war for talent“ weiter an Bedeutung: dazu gehören generell das Unterhaltungs-/Freizeitangebot sowie die Einkaufsmöglichkeiten, aber als deutsche Besonderheiten auch die begehbare/nutzbare Natur und zum Beispiel unsere Freizeit-Bäder

Aber immer gilt: bei Präsentationen ist der persönliche Auftritt wichtiger als der präsentierte Inhalt:

Der Angler muss dem Fisch schmecken!

Evolution – too fast forward?

Folgt man den Anthropologen Voland, Chasiotis und Schiefenhövel und deren in ihrem Buch „Grandmotherhood – The Evolutionary Signifincance of the Second Half of Female Life“ vertretenden These, so war die evolutionäre Entwicklung des Klimakteriums für die Entwicklung des Homo Sapiens entscheidend. Bei keinem anderen Primaten hat die Evolution den weiblichen Tieren die Möglichkeit eingeräumt, das Gebären zu überleben. Insgesamt gibt es wohl nur noch bei einigen Walen Ansätze für ein Klimakterium. Als Konsequenz gab es beim Homo Erectus und später Homo Sapiens Großmütter, die sich um ihre Enkel kümmern und die Erfahrungen weitergeben konnten. Damit sich das Potential, das die Großmütter für die Evolution der menschlichen Gesellschaft boten, voll entfalten konnte, war es erforderlich, dass parallel Aufnahmebereitschaft von und das Verständnis für Geschichten schon im Kleinkind stark ausgeprägt vorhanden waren. Es liegt nahe anzunehmen, dass in diesem Zusammenhang das bis heute wirksame Bedürfnis nach „Narrativen“ und auch die Fähigkeit beziehungsweise das Verlangen des Menschen entstanden ist, an eine höhere Autorität zu glauben. Sicherlich überspitzt ist die Frage, ob die Kinder-Betreuung durch die Großmütter die Wanderungen des Homo Erectus, später des Neanderthalers und letztlich unserer Vorfahren aus Afrika überhaupt erst ermöglicht hat und mit welchen Geschichten beziehungsweise Erzählungen diese Wanderungen begleitet und die Menschen dazu motiviert wurden.

Nachdem unsere Vorfahren Afrika verlassen und das heutige Europa und Asien besiedelt hatten, beschleunigte sich die mit den Großmüttern begonnene zivilisatorische Evolution. Die Entwicklung der Landwirtschaft markiert vermutlich den Zeitpunkt, an dem die menschlich-zivilisatorische Evolution begonnen hat, die der Natur zu überholen und sich weiter zu beschleunigen. Seitdem ist die Natur offenbar nicht in der Lage, sich zu wehren. So bleibt es dem Menschen überlassen, seinen natürlichen Lebensraum selbst zu zerstören. (Siehe dazu auch Jared Diamond: „Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ *2.) Erfahrungen wurden übermittelt, erworbenes Wissen gelehrt und existentielle Fragestellungen durch Glauben an reale, religiöse oder philosophische Autorität beantwortet. Die Großmütter wurden durch Lehrer, Erzähler und Priester ergänzt beziehungsweise ersetzt. Die menschliche Evolution führte dabei zu immer weiteren, regional unterschiedlichen aber nachhaltigen Eingriffen in die Natur wie zum Beispiel die großflächigen Abholzungen für den Schiffsbau (Mittelmeerküsten) oder Bergbau (Lüneburger Heide) oder die Ausrottung des Großwilds – Ausnahme wohl nur die Bisons – in Folge der Besiedelung Amerikas.

Exponentiell beschleunigt aber hat sich die evolutionäre Geschwindigkeit, seit gedruckte Bücher die Großmütter bei der Wissensvermittlung weitgehend abgelöst haben und die Aufklärung und die ihr folgende industrielle Revolution dem Homo Sapiens bis dahin ungeahnte Möglichkeiten zur Verbesserung der „Conditio Humana“ gegeben hat. Erkenntnis und Wissen nahmen und nehmen immer schneller zu, Innovationen führen zu ungeahnten Steigerungen an Produktivität und Lebensqualität. Gleichzeitig helfen die Maschinen dem Menschen sein intellektuelles wie physisches Potential auszuschöpfen. So glaubten offenbar viele Experten am Beginn des 20. Jahrhunderts, dass der Mensch Geschwindigkeiten über 20 km/h nicht würde überleben können. Heute fliegen Menschen mit Überschallgeschwindigkeit und setzen sich routinemäßig Belastungen aus, die dem Mehrfachen der Erdbeschleunigung entsprechen. Und während der Mensch sein eigenes Potential immer weiter ausschöpfte, entwickelte er Maschinen viel schneller weiter, als er sich selbst je entwickelt hat. So ist der Unterschied zwischen dem T-Modell von Henry Ford und einem modernen Auto wesentlich größer als zwischen uns und unseren Vorfahren, die in ihren Höhlen den Erzählungen ihrer Großmütter lauschten. Aber es ist festzuhalten, dass die Menschen die Kontrolle über die Maschinen und Prozesse während der industriellen Evolution behalten haben. Und begleitet wurde diese Evolution durch ein Narrativ, das immer stärker auf die Verbesserung der Lebensbedingungen der individuellen, realen Existenz abzielte.

Mit der Entwicklung des Desktop-Computers und des PCs (Personal Computer) begann im letzten Viertel des letzten Jahrhunderts eine sich exponentiell beschleunigende technologische Evolution, deren Auswirkungen im Leben der Menschen nur als disruptiv bezeichnet werden kann. So werden seitdem immer mehr und immer neue Kontrollfunktionen auf digitale Steuerungseinheiten übertragen. Das heißt, menschliche Erfahrungen, menschliches Wissen und menschliche Phantasie werden in Algorithmen umformuliert, mit denen Computer Steuerung und Kontrolle übernehmen. In dem Maße, in dem Computer selbstlernend werden, lernen mit einander zu kommunizieren (Internet of Things) und in der Lage sein werden, Fehler selbst zu korrigieren sowie Prozesse und Produkte zu optimieren, wird sich eine Evolution der Maschinen ergeben, die wiederum die menschliche überholen und sich vermutlich ebenfalls exponentiell beschleunigen wird.

Das bedeutet aber auch, dass die Menschen zunehmend aus Produktionsprozessen verdrängt werden. Hinzu kommen die völlig neuen Möglichkeiten der digitalen Welt, die tradierte Produkte in kürzester Zeit obsolet machen. Als Beispiel mag die digitale Photographie gelten, die die analoge Photographie aus dem Markt gefegt hat und eine renommierte, den Markt weltweit dominierende Firma wie Kodak in den Konkurs getrieben und tausende Mitarbeiter um ihre Jobs gebracht hat.

Wir erleben sozusagen „Die Weber – reloaded“. Das „Internet of Things“ wird dieses Stück sicherlich noch häufiger auf die Weltbühne bringen. Und mit der Block Chain Technologie erscheint der potentiell nächste Disruptor am Horizont, der das Potential hat, dieses Stück in weitere Bereiche unserer Gesellschaft zu tragen. Und bei aller von Experten vorgetragenen Skepsis gegenüber gerade dieser durch die Bitcoins bekannt gewordenen Technologie – die Erfahrung der letzte 25 Jahre sagt uns, auch die Evolution dieser Technologie wird vermutlich schneller kommen als erwartet.

Vermutlich wird es immer weniger Menschen geben, die diese Technologien verstehen werden und gegebenenfalls auch kontrollieren können. Mit dem Internet of Things und der Perfektionierung von Robotern geben wir den Maschinen die Möglichkeit, ihre Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen. In Erinnerung an die Weber und den Beginn der industriellen Revolution ist man geneigt die Hoffnung einiger Vordenker im Silicon Valley zu teilen, dass die Maschinen den Menschen von den Lasten des Alltags befreien und die „Condition Humana“ auf eine neue Ebene des Bewusstseins und der Freiheit heben werden. Wenn dem so wäre, kann die Entwicklung gar nicht schnell genug gehen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der ökonomische Gewinn der digitalen Evolution allen Menschen zugute kommen wird und nicht nur einer kleinen Elite.

In seinem Buch „Future Shock“ warnte der Zukunftsforscher Alvin Toffler bereits 1970 vor den psychologischen Folgen einer „schwindelig machenden Disorientierung aufgrund des vorzeitigen Eintreffens der Zukunft“, „durch die Millionen von Menschen zunehmend disorientiert sein werden und zunehmend inkompetent, rational auf ihre eigene Lebensumstände zu reagieren“(meine Übersetzung) (*3). Die politische Radikalisierung in vielen westlichen Gesellschaften und der religiöse Fanatismus sind nur zwei Beispiel für die von Toffler befürchtete Entwicklung. Der Abwärtstrend der Mittelschicht und das Ende des „American Dreams“ in den USA sind zwei Auswirkungen einer Entwicklung, die wesentlich durch den technologischen Fortschritt bestimmt wird. In den europäischen Ländern fühlen sich erkennbar viele Menschen mit Globalisierung, Internationalisierung und medialer Vielfalt überfordert beziehungsweise mit ihren realen oder auch nur empfundenen Problemen allein gelassen. Es fehlt an den überzeugenden, erklärenden und beruhigenden Narrativen der Großmütter aus den Höhlen der Vorzeit. Dies gilt offenbar insbesondere für Menschen, die Halt im Religiösen und Mystischen vermissen. Fanatische Verführer nutzen in geradezu perverser Weise genau die modernsten Technologien, um diesen Menschen einfache, verführende Geschichten zu erzählen, um sie für den Kampf für ein Leben zu gewinnen, in dem es für eben diese Technologien als Instrumente der Freiheit und der Emanzipation keinen Raum geben würde.

Es besteht also die Gefahr, dass die technologische Evolution, die die des Homo Sapiens überholt, für die Mehrzahl der Menschen „too fast forward“ ist. Moderne Maschinenstürmer, Fanatiker und Terroristen könnten dadurch gestärkt und ermutigt werden, diese Entwicklung in eine bessere Welt, in der die Menschen durch Maschinen von ihren „Alltagsplagen“ befreit sein würden, zu verhindern und gegebenenfalls die Technologie für ihre eigenen, repressiven Zwecke zu nutzen.

Es gilt, den Treibern der technologischen Evolution diese Risiken bewusst zu machen. Es geht um viel mehr, aber letztlich geht es auch um die Nachhaltigkeit der Geschäftsmodelle von Google, facebook und Co.. Die intensivere Kontrolle hinsichtlich terroristischer oder Hassposts seitens der Provider ist meines Erachtens ein Beispiel für einen Schritt in die richtige Richtung. Wenn im Silicon Valley verstanden wird, dass die Conditio Humana nicht allein durch Algorithmen, bits, bytes und Marktanteile bestimmt wird, wären die Nerds sicherlich auch in der Lage, eine technologische Evolution zu initiieren, die für die meisten Menschen gar nicht schnell genug gehen könnte. Denn in der Evolution gibt es kein zurück. Und wenn Eric Schmidt und Jared Cohen damit Recht haben (*4), dass wir zur Zeit das größte Experiment in der Geschichte der Menschheit mit Anarchie machen, kann man nur auf mehr Zukunft hoffen, damit das Heute schneller vorbei ist und die positiven Veränderungen schneller wirksam werden.

Die vorüber gehend negativen ökonomischen Folgen der Evolution very fast forward für einige Teile der Bevölkerung wären durch konsequente politische Umsetzung der Regeln der sozialen Marktwirtschaft aufzufangen. Diese Politik müsste begleitet werden durch Investitionen in und die Entwicklung von große Teile der Bevölkerung erfassende Bildungsmaßnahmen. Zu diesen Maßnahmen müsste sicherlich auch mentales Training gehören, in denen die Menschen auf das immer tiefere Eindringen von Technologie in ihr noch immer den Großmüttern in den Höhlen der Vorzeit verhaftetes Leben vorbereitet werden.

(In diesem Zusammenhang siehe auch:

https://techcrunch.com/2016/07/23/recasting-silicon-valleys-role-in-society/   )

*1: Eckart Voland, Athanasios Chasiotis, Wulf Schievenhövel: „Grandmotherhood – The Evolutionary Significance of the Second Half of Female Life“, Rutgers University Press, 2005

*2: Jared Diamond: „Kollaps: warum Gesellschaften überleben oder untergehen“, S. Fischer Verlag, 2005

*3: Farhad Manjoo, „Why We Need to Pick Up Alvin Toffler´s Torch“, New York Times, 6. Juli 2016

*4: Eric Schmidt, Jared Cohen: „The New Digital Age – Reshaping the Future of People, Nations and Business“, Alfred A. Knopf, 2013

 

 

 

Im Alter von 87 Jahren ist Alvin Toffler in Los Angeles verstorben. Er war einer der bemerkenswertesten Vordenker unserer Zeit. Bereits in seinem 1970 erschienenen Buch „Future Shock“ und den weiteren „Third Wave“ (1980) und „Powershift“ (1990) sah er spätere technologische Entwicklungen wie den Personal Computer und das Internet präzise voraus. Bereits damals, vor dem Siegeszug des World Wide Webs, und lange vor Smartphones und Big Data sprach Toffler unter anderem vom „information overload“ und von der Wissens- beziehungsweise Informationsgesellschaft.  Insbesondere „Powershift“ hat mein Verständnis für und meine Erwartungen an zukünftige Entwicklungen wesentlich gesprägt. So sah Toffler die Entwicklung zum  „Prosumer“ voraus, dem Kunden der quasi zum Co-Produzenten des von ihm gekauften Produkts wird. Und Toffler erkannte, dass dieser Kunde zweimal zahlen würde: einmal mit Geld und dann mit den geldwerten Informationen, die er mit seinem Einkauf preisgeben würde.

Toffler sagte die Entwicklung über-nationaler Megafirmen ebenso voraus, wie die internationaler Verbrecherkartelle und die Bedrohung durch religiösen Fanatismus. Diese, nationaler Kontrolle weitgehend entzogenen Strukturen bezeichnete Alvin Toffler als die zukünftigen „Global Gladiators“. Er sah die fundamentalistischen religiösen Bewegungen „im Krieg mit jeglicher denkbaren Definition von Demokratie“. Der Weg der Fanatiker führe in ein neues Mittelalter, „Dark Age“, ebenso wie das von  Toffler befürchtete Aufleben von Ausländerfeindlichkeit. Toffler (1990): „In der vor uns liegenden Ära des „Powershifts“ wird die vorrangige ideologische Auseinandersetzung nicht mehr zwischen kapitalistischer Demokratie und totalitärem Kommunismus stattfinden, sondern zwischen 21.-Jahrhundert-Demokratie und 11.-Jahrhundert-Dunkelheit.“

Allerdings hatte auch Toffler nicht mit allen seinen Prognosen recht. So erwartete er das entstehen eines internationalen Öko-Terrorismus. Hier hat er sich erfreulicher Weise geirrt.

Aber wer Toffler gelesen hatte, war mental auf das Kommende eingestimmt und wurde von vielen Entwicklungen nicht überrascht. Dafür gebührt ihm bleibender Dank und Respekt.

Vor dem Hintergrund des Vortrags von Staatssekretär Koch über die Sicherheitslage in Hessen beim „Unternehmer-Frühstücks“ des Wirtschaftsrats am 3. Februar und der anschließenden und andauernden Diskussion habe ich meine Position noch einmal zusammen gefasst:

Paradigmen-Wechsel – Voraussetzung für erfolgreiche Integration der Flüchtlinge

Den Zustrom von Flüchtlingen werden wir in Deutschland nur bewältigen können, wenn wir ihn als Paradigmen-Wechsel für Politik, Verwaltung und Medien in unserem Land begreifen und wir schnell und flexibel auch mit neuen und unkonventionellen Lösungen auf die entstandene Lage reagieren.

Aktuelle Erfahrungen wie die der letzten Jahrzehnte lassen allerdings berechtigte Zweifel an der Reaktions- und der „flexibel response“-Fähigkeit des Staates wie unserer Gesellschaft insgesamt aufkommen. Ein Kernproblem der politischen Auseinandersetzung in Deutschland ist die seit Jahrzehnten auseinander klaffende Kluft zwischen veröffentlichter und öffentlicher Meinung. Die Politik in unserem Land wie wohl in den meisten Demokratien nimmt im Wesentlichen die veröffentlichte Meinung wahr und läßt sich gegebenenfalls von ihr beeinflussen. Da die veröffentlichte Meinung in Deutschland Erfahrungen, Sorgen und Ängste, berechtigte wie unberechtigte, der Bürger zum Beispiel im Zusammenhang mit gewünschter Zuwanderung (wie der Gastarbeiter), Asylsuchenden und dem Islam weitgehend negiert, als „rechts“ stigmatisiert oder gar als „rechtsradikal“ verhetzt, fühlen sich weite Kreise der Gesellschaft in allen gesellschaftlichen Schichten allein gelassen und nicht mehr von Politik oder Medien repräsentiert.

Die aktuelle Entwicklung in Deutschland offenbart die erschreckenden Konsequenzen aus dieser seit langem entstandenen Situation. Allein gelassen und verhetzt wenden sich Menschen den tatsächlich Rechtsradikalen zu. Appelle an das demokratische Bewusstsein fruchten nicht mehr, da man den Wert der Demokratie nicht mehr zu erkennen vermag. Und Vertrauen in Politik, Verwaltung und Medien ist viel zu oft nicht mehr vorhanden.

Um dieses Vertrauen wieder herzustellen, ist vor allem eines gefordert: in sachlicher Offenheit und Klarheit die tatsächlichen Probleme ansprechen und sie durch schnelles und konsequentes Handeln lösen. Zulange wurde darauf vertraut, das konkrete, alltägliche Konflikte von der Polizei gelöst würden. Herausforderungen durch den Zustrom der Flüchtlinge sind nicht durch „Beordnen“ der Verwaltung zu lösen, manche im Wohlfühl-Wohlstands-Land Deutschland tolerierte Verordnungen und Regelungen sind anzupassen und gegebenenfalls außer Kraft zu setzen. Und unser Rechtswegestaat muss wieder als Rechtsstaat erkennbar und akzeptiert werden. Kurz: wir brauchen einen umfassenden Paradigmen-Wechsel in der Politik und der medialen Aufbereitung der realen Probleme und Fragestellungen in unserer Gesellschaft.

Dabei geht es nicht zuletzt auch um die Flüchtlinge. Wer wie ich diese Menschen in einer „Notunterkunft“ oder nach ihrer Registrierung in einer „Gemeinschaftsunterkunft“ erlebt und die Dankbarkeit erfahren hat dafür, bei uns unter den jeweiligen, für uns Bundeswohlstandsbürger völlig inakzeptablen Bedingungen sicher und versorgt zu sein, kann nur das Ziel haben, auch für unsere neuen Mitbürger die beschriebenen Probleme schnell und nachhaltig zu lösen. Dann und nur dann „werden wir es schaffen“!